Samstag, 23. März 2019

Sodom – Ein Ort zum Verstecken



Florian Weigensamer und Christian Krönes zeigen uns Menschen, Menschen die auf und von Müll leben. Hauptsächlich Männer. Erwachsene und Kinder mit großen Träumen, mit Ängsten und Sorgen. Wir sehen einen hochgebildeten Mann, der sich hier „versteckt“, weil er aufgrund seiner Homosexualität verfolgt wird. Er will nur so lange in Sodom bleiben, wie es möglich ist, niemanden näher kennen zu lernen. Zwischen den Plastiktüten, die er sammelt, um davon zu leben, findet er Bücher, die er liest und die ihn aufbauen. Wir sehen einen kleinen Händler, der davon träumt, nach Europa zu gehen, der weiß, dass es dort mehr Chancen gibt, aber auch wie gefährlich der Weg dorthin ist. Und wir begleiten einen Jungen, der Metall sammelt und unter den männlichen Kleidern, seinen weiblichen Körper versteckt. Weil er sich als Junge fühlt, aber auch weil er weiß, dass es als Mädchen an diesem Ort noch viel schwerer ist.
Wir sehen junge Männer, die im Tanz, durch Musik und Fußballspiel aus dem aussichtslosen Alltag ausbrechen, die nicht aufhören zu träumen. Der Film ist voller kräftiger und heller Farben, in dieser tristen Umgebung und lässt die Protagonist*innen erzählen. Schade ist, dass die Frauen wenig zu Wort kommen und wir so deren Alltag an diesem Ort nur am Rande zu sehen bekommen. Da, wo wir sie sehen, wirkt es, als wäre es spannend, mehr zu erfahren. So erfahren wir zum Beispiel von einer Witwe, die beschreibt, wie sie hier vorzeitig altert und wie schwer die Arbeit des Wasserverkaufes für sie und die Mädchen, die ihr helfen, ist.

Freitag, 22. März 2019

Chaos – 3 Orte – Eine Geschichte



Sara Fattahi zeigt in ihrem Film „Chaos“ auf wunderbar poetische Weise drei Frauen an drei Orten, die über Trauma, Mord, Krieg und ihr Leben sprechen. Sie selbst taucht kurz im Film auf, ohne zu sprechen. Dafür ziehen sich ein Interview mit Ingeborg Bachmann über „Malina“ und eines deren Gedichte durch den Film und korrespondieren aus dem Off mit den gezeigten Frauen. Der Film ist voller Bilder, die man anhalten und einzeln betrachten möchte, weil jeder einzelne Frame ein eigenes Kunstwerk ist. Während der Gespräche mit den beiden Frauen aus Syrien, die sie in Damaskus und Schweden geführt hat, passen sich Bild und Ton dem Kontext an. Wir hören in Schweden den Wind und sehen Bilder voller Spiegelungen, Doppelungen und Verschiebungen. In Damaskus dagegen, kommen die Geräusche der Stadt hinein und die Bilder sind scharf, manchmal durch Scheiben oder Stoffe verschwommen, aber nie verschoben.
Der Film lässt den Frauen Raum und den Zuseher*innen Zeit zum Denken – das ist manchmal quälend und kaum auszuhalten. So beobachten wir in Wien eine Frau sehr lange dabei, wie sie versucht, eine Tür aufzusperren, da will man aus dem Kinosessel aufspringen und ihr helfen. Diese Stimmung passt zum Inhalt, zu den Traumata der Frauen, zur unerträglichen Auseinandersetzung mit den Morden ihrer Angehörigen, zu den Schwierigkeiten, die ihnen das Leben damit bereitet. Es geht nicht um den Krieg selbst, sondern eher darum, was er mit Menschen macht und wie sie damit umgehen.
Falls ihr den Film irgendwo sehen könnt, lasst ihn euch nicht entgehen!

Filmkritik von Sarah Kanawin

Mittwoch, 23. Januar 2019



Für alle die nicht in Wien leben gibt es in Kooperation von Present:history und Krit TFM, Ende Mai eine Geschichts- und Kulturreise nach Wien. Der Schwerpunkt liegt in der Zeit von 1927 bis 1934 – dem Vorabend des Faschismus. Wir wollen uns in Museen, bei Stadtspaziergängen, Vorträge und Co anschauen, welche Gegenstrategien es in Kunst, Kultur und Politik gab und so Protest in ganz unterschiedlichen Formen beleuchten.
Wir freuen uns über Anmeldungen!

Mehr Inforamtionen finden sich auf gegenstrategien.at und in der Facebookveranstaltung.
Alle die eh schon in Wien sind, laden wir in dieser Zeit herzlich zu Abendveranstaltungen ein. Die Ankündigungen dafür folgen noch.

Dienstag, 17. Juli 2018

Neue Veranstaltungsreihe Gegenstrategien


Gemeinsam mit Present:history haben wir eine Veranstaltungsreihe organisiert, die demnächst startet! In mehreren Workshops werden wir uns mit der Geschichte Wiens von 1927 bis 1934 beschäftigen, den Blick auf widerständige Praktiken in Kunst und Kultur legen und fragen, wie diese Vergangenheit heute interpretiert wird und ob es Schnittpunkte zur Gegenwart gibt.
Mehr Infos auf der Homepage: https://gegenstrategien.at
Der erste Workshop zum Juli 1927 findet am 29. Juli von 10-17h statt. Wir freuen uns über eure Teilnahme und spannende Diskussionen! Weitere sind bereits angekündigt!
Anmeldung unter info@gegenstrategien.at nicht vergessen

Samstag, 24. März 2018

Diagonale 2018: Filmtipps von Sarah

Die Diagonale war dieses Jahr ganz besonders politisch und noch näher als sonst an den Fragen dran, die mich und viele andere gerade beschäftigen. Dafür Danke ich Sebastian Höglinger, Peter Schernhuber und allen anderen, die daran beteiligt waren, ganz besonders! Das macht es aber auch schwer, einen einzelnen Film hervorzuheben, daher werden es einfach mehrere.

Nichtaufarbeitung

Ich hab den tollen und wichtigen Film „Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann gesehen, den ich allen nur empfehlen kann, der aber gar nicht

Dienstag, 20. März 2018

Assoziation zu Michaela Tascheks „Doppelgänger“

gesehen auf der Diagonale 2018


 Du denkst jetzt sicher, wenn du das liest, denkst du sicher, aber jetzt denkst du es vielleicht doch nicht, weil wer will schon denken, was andere erwarten? Es ist auch wirklich nicht so, dass mir meine Mutter so fremd war. Ich schreibe das eher, weil ich ihr so ähnlich bin, weil ich Angst habe, dass
auch ich ersetzt werden könnte. Manchmal wünsche ich es mir sogar. Du weißt nicht, wovon ich rede. Jetzt tust du eben so, weil du dir nicht sagen lassen willst, dass du etwas nicht verstehst.

Samstag, 17. März 2018

Assoziation zu Bettina Henkels „Kinder unter Deck“

gesehen auf der Diagonale 2018


„Erinnerst du dich“, fragt Eva, „an dieses Spiel? Dieses Spiel, das wir immer beim Autofahren gespielt haben.“
Die Sonne senkt sich zwischen die Büsche, zwängt sich durch die Äste. Wenn Eva den Kopf hebt, sticht sie im Auge. Dafür färbt sie die Donau golden. Eine Böe kräuselt das Wasser, sodass man denkt, es bewege sich etwas darin, sodass man denkt, es regen sich tausende Fische, knapp unter der Oberfläche.
„Kinder unter Deck“, sagt Michael.
„Schön, nicht?“ Eva hält das Rotweinglas geneigt gegen das Licht.
„Ich hatte eigentlich immer Angst“, sagt Michael.